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Wie ich Gartenvögel fotografiere
5. Oktober 2016
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Vorgeschichte

Als ich im April 2016 durch ein Video von Arthur Morris und Denise Ippolito für die Vogelfotografie Feuer fing, wollte ich es ihnen natürlich gleichtun, denn die wie gemalt wirkenden Bilder mit ihren atemberaubenden Hintergründen mit dem perfekt in Szene gesetzten Subjekt im Vordergrund lösten in mir sprichwörtlich den Wow-Effekt aus – Gänsehaut vom Feinsten.

Da ich in letzter Zeit einige Kleiber Kleiber (lat. Sitta europaea) sind flink und können im Gegensatz zu Baumläufern und Spechten kopfüber am Stamm nach unten laufen. (oft auch Spechtmeisen genannt) in der Gegend bemerkt hatte, wollte ich genau diese vor die Linse bekommen. Was war also zu tun?

Ich hatte nur das zwar lichtstarke, jedoch etwas kurze 70-200er statt einem (ordentlich teuren) 500mm oder 600mm Objektiv. Es hieß also: Näher ran! Schließlich wollte ich formatfüllend ablichten und keinen schwarzen Punkt, der alles mögliche hätte sein können.

Dein Freund das Auto

Um näher ran zukommen, brauchte ich Tarnung und so fuhr ich also mein Auto direkt auf ca. 2 Meter an einen der Bäume heran, denn ein Auto bietet sich hervorragend als Versteck an. Das Fenster herunterkurbeln und die Kamera auf einen Bohnensack stabil ablegen, wenn das geht. Bei meinen ersten Versuchen hatte ich nur einen Pullover und musste die Kamera mit der rechten Hand die ganze Zeit halten. Sehr ermüdend. So geht man in eine Schonposition und wenn der Vogel dann da ist, verscheucht man ihn durch die ganze Körperbewegung. Sehr frustrierend.

Wichtig war mir, dass ich die Sonne direkt im Rücken hatte und der Vogel auf einem schönen natürlichen Ast saß. Da der Baum hohl war, steckte ich einen alten Ast hinein und achtete darauf, dass der Hintergrund schön weit weg war, um einen schönen defokussierten Hintergrund zu haben.

Dein Freund das Stativ

Bei der Ansitzfotografie ist ein stabiles Stativ unabdingbar, wenn man möglicherweise stundenlang auf den Vogel an sich wartet, oder, dass dieser sich in die passenden Position begibt. Selbst ein kurzes 70-200er wird nach einiger Zeit ganz schön schwer, auch wenn ihr im Auto sitzt und das Objektiv auf einem großen stabilen Bohnensack komplett ablegen könnt. Die Hand, die hinten hält, ermüdet schnell. Das Stativ muss dem Gewicht der Kamera und dem Objektiv entsprechen, denn es muss stabil sein. Dadurch wird einerseits ein Umfallen verhindert, andererseits führt es zu weniger Verwacklungen.

Stativ + Auto = “Dream Team”

Was spricht nun eigentlich dagegen, das komplette Stativ im Auto aufzubauen? Im Kleinwagen. Auf der Fahrerseite! Funktioniert. (Trotz des einschränkenden Lenkrads auf der Fahrerseite, weil man als Rechtshänder mehr Freiheiten hat, die rechte Hand und damit die Kamera auf dem Stativ zu schwenken. Das war zumindest meine Erfahrung.) Zwei der Stativfüße stehen parallel zur Fahrerseite, einer geht links runter an der Fahrertür, der andere geht seitlich am Fahrersitz vorbei nach hinten. Der dritte Fuß stützt sich Richtung Beifahrersitz am Boden oder der Seitenwand ab. Zu diesem Zeitpunkt ist besser alles schon im Auto, was man braucht …

Bild von Auto mit Fotostativ

Angenehm fotografieren: Stativ mit Kamera im Auto

Je nachdem, wieviel Freiheit man mit der Kamera zum Schwenken braucht, deckt man zur besseren Tarnung nun die Sichtlöcher ab. Mir reichten hier einige weitere unauffällige Pullover. Hat man beide Hände an der Kamera und das Gesicht dahinter, nimmt einen der Vogel deutlich weniger als Gefahr war. Besagter Kleiber störte sich nicht am Spiegelschlag und auch kleine Schwenks tolerierte er. Und das zwei Meter vor der Kamera! War er man im Baumloch verschwunden und außer Sicht, ging auch mehr.

Was der Vogel toleriert, kommt auf den Vogel an. Ein Kleiber im Tierpark flog direkt zwei Meter an mich heran während ich auf der Parkbank saß, mich bewegte und fotografierte. Die Vögel im Garten sind deutlich scheuer.

Das war es im Prinzip eigentlich auch schon. Hat man seine allerersten Nahaufnahmen gemacht, geht es als nächstes an die Optimierung: Wie kann ich das Bild besser komponieren? Wie verändere ich meine Position, dass der Hintergrund schön verläuft und nicht vom Subjekt ablenkt? Und so weiter …

 Bild von Kleiber auf Ast mit Blick über die Schulter

Kleiber-Männchen mit Über-die-Schulter-Blick

 

Hat man das Foto im Kasten, sollte man meiner Meinung nach warten, bis der Vogel sich von alleine entfernt hat, um ihn für die Zukunft nicht zu vergrämen. Das gilt allgemein für die Naturfotografie.

Habt ihr noch weitere Tipps zum Fotografieren von Singvögeln? Wie waren eure ersten Erfahrungen? Was kann man an diesem Kleiber-Bild besser machen?